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Kapitel 2 – Die Abenteuer von Schmörk

Kapitel 2 – Die Abenteuer von Schmörk

Kapitel 2 

Eine Insel, ein Kapitän und das ewige Eis 

Der kleine Schmörk hatte viele Jahre in seinem Ei verbracht. So viele Jahre, wie ein Mensch alleine gar nicht alt werden kann. Über 150 Jahre war Schmörk eigentlich schon alt. In all den Jahren hatte der kleine Vogel aber noch nie geträumt. Erst jetzt, nachdem er endlich geschlüpft war, konnte er träumen und sein allererster Traum war voller Abenteuer. All das was er bisher als Ei erlebt hatte, träumte er nun. Und das ist ganz gut so, denn dadurch erfahren auch wir Leser nun, wie es überhaupt möglich sein konnte, dass ein Ei – na eigentlich sogar zwei Eier, weil das Schildkrötenei ja auch noch da ist – so lange auf der Welt sein kann und dann auch noch ein lebendiger Vogel aus ihm schlüpft!  

Schmörks Traum beginnt mit einem lauten Rufen von einer tiefen, bärigen Stimme. 

“Hey Männer, kommt mal hier her! Hier ist ein Nest von diesen seltsamen, großen Vögeln die immer “Schmöörk” rufen. Bringt auch einen großen Korb mit!” 

Wer da rief, das war Kapitän Bunsen. Ja genau! Der Ur-Ur-Ur-Ur-Opa vom Professor Bunsen, dem Professor, der Hans-Jörg beauftragte, seine Kiste zum Hafen zu fahren. Der Traum könnte spannend werden, denn jetzt erfahren wir, wie der Professor Bunsen überhaupt zu dem Vogel und Schildkröten-Ei kam, die Hans-Jörg zum Hafen fahren sollte. 

Der brummige Kapitän war etwas größer als sein Ur-Ur-Ur-Ur-Enkel. Aber er hatte einen dicken Bauch und einen viel längeren und dichteren, schwarzen Rauschebart. Auf seinem Kopf trug er einen großen dreieckigen Hut. Der Hut war ihm auch etwas zu groß und immer wenn er seinen Kopf etwas zu schnell nach links oder rechts bewegte, kippte der Hut nach vorne und der dicke Kapitän konnte nichts mehr sehen. Dann richtete er seinen Hut immer schnell und tat so, als wäre gar nichts passiert. Und so war es auch dieses Mal. Gerade hatte sich der Kapitän nach seinen Leuten umgeschaut, da rutschte sein Hut nach vorne, der Kapitän sah kurz nur das schwarze Innere seines Hutes, stolperte nach vorne und fiel der Länge nach in das große Nest der Dodo-Vögel, das er gerade entdeckt hatte. 

Als drei Männer von seiner Schiffsmannschaft bei ihm ankamen, versucht er sich gerade im Nest wieder auf die Beine zu kommen und alle drei mussten bei diesem sehr unbeholfenen Anblick ihres Kapitäns furchtbar grinsen. 

“Mensch Kapitän Bunsen, was ist denn mit ihnen passiert? Hat sie einer dieser Riesen-Vögel ins Nest geschubst?” 

Der da fragte, war der erste Offizier von Kapitän Bunsen. Sein Name war Jörg von der Au. Und es gibt vielleicht seltsame Zufälle im Leben! Dieser Jörg von der Au war doch tatsächlich der Ur-Ur-Ur-Ur-Opa von Hans-Jörg. Dem kleinen Spediteur, der in Tante Petunia verknallt ist und für den Professor Bunsen die Kisten zum Hafen fahren sollte. Aber so ist das Leben. Und solche Zufälle passieren immer wieder. 

“Kapitän, warten sie! Ich komme und helfe Ihnen mal schnell aus der Patsche was!” 

Jörg von der Au musste schon hier und da grinsen, wenn seinem Chef mal wieder ein Missgeschick passiert war aber er war immer hilfsbereit und zögerte nie lange. Wenn er helfen konnte dann half er auch und so war es auch in diesem Fall. Er reichte seinem Kapitän die Hand und zog ihn aus dem Nest. Als der Kapitän wieder sicher auf den Beinen stand, drehte er sich langsam um und schaute in das Nest. Dort lagen drei große Eier. Und keines der Eier hatte auch nur einen Kratzer von seinem Sturz davongetragen. Im Gegenteil! Alle Eier glänzten im Sonnenlicht und sahen aus, als wären sie aus Porzellan. So robuste Eier hatte der Kapitän in seinem ganzen Leben noch nicht gesehen. Alle Eier die er kannte, wären jetzt zerbrochen gewesen oder zumindest hätten sie eine gehörige Delle. Das mussten schon ganz besondere Eier sein und überhaupt waren diese Riesenvögel ja auch ganz besondere Vögel. Solch große Vögel hatte der Kapitän bisher nur in Afrika gesehen. Aber dort hatten die Vögel, die man Straußenvögel nennt, viel längere Hälse und sehr kleine Köpfe. Und die afrikanischen Vögel konnten auch nicht “sprechen”. Na gut also so richtig gesprochen hatten die Riesenvögel auf dieser Insel auch nicht aber immerhin gaben sie Laute von sich, die wie Schmööörk und Dodododo klangen. Sicherlich konnte man ihnen mit etwas Geduld und Ausdauer auch andere Wörter beibringen. So ähnlich wie bei den kleinen Papageien aus Südamerika. Der Kapitän schaute noch einmal auf die unzerbrochenen Eier und war schwer beeindruckt. Er befahl seinen Männern alle drei Eier aus dem Nest zu nehmen und sie aufs Schiff zu bringen. Später, wenn die Elternvögel zum Nest kommen wollte er diese auch einfangen und mit aufs Schiff nehmen. Vorher wollte er aber noch diese wundersame Insel erkunden.  

Es war eine wirklich schöne Insel. Überall an den Sandstränden standen große Palmen, der Sand war blütenweiß und der Himmel wirkte dadurch dunkelblau. An der Spitze der Insel ragte ein hoher Berg in den Himmel. Er wirkte fast wie ein riesiger Tisch. Er hatte keine Spitze, sondern war oben sehr breit und fast flach. Aus den dichten Urwälden klangen geheimnisvolle Laute. Viele exotische Tiere die der Kapitän noch nie zuvor gesehen hatte lebten dort. Am Strand lief ihm eine Schildkröte entgegen, auf der ohne viel Mühe drei seiner Männer hätten sitzen können. Die Schildkröten waren so zutraulich, dass sie seiner Mannschaft sogar beim Transport der großen Wasserbottiche halfen. Seine Mannschaft hatte die großen Behälter auf die Rücken der Schildkröten gebunden und anschließend mit Wasser befüllt. Die Riesenschildkröten sind dann ganz gemütlich mit den schweren Bottichen auf dem Rücken zur Anlegestelle des Schiffs gelaufen und haben dort gewartet, bis die großen Behälter entleert wurden.  

Und noch etwas war auf dieser Insel ganz anders. Überall auf der Insel wuchsen große Blumen mit wunderschönen großen Blüten und die Luft war schwer vom Duft dieser großen Blumen. Fast fing man an zu träumen, wenn man den Geruch in die Nase bekam. Am liebsten hätte sich der Kapitän dann auf den Boden gelegt und ein kleines Nickerchen gemacht aber dafür war ja leider keine Zeit. Schon bald würden die ersten Herbststürme auf dem Meer los toben und wenn er mit seinen Männern noch sicher nach Hause kommen wollte, dann musste er sich demnächst auf den Rückweg machen. Darum hatte er in den letzten Tagen seine Männer schwer zur Eile angetrieben und schon am nächsten Tag wollte Kapitän Bunsen mit seinem Schiff diese wunderschöne Insel verlassen. Aber seine Männer waren verträumt und manche von ihnen schliefen sogar in der Mittagssonne am Strand einfach ein. Es lag wohl an den Blüten der Blumen. Alle die schliefen hatten eine in der Hand. Erst als der Kapitän den Seeleuten die Blüten aus den Händen nahm und in das Meer schmiss wachten die Seemänner langsam wieder auf und streckten sich. 

“Ja seid ihr denn alle vom Klatschmohn geküsst oder wieso schlaft ihr am helllichten Tag hier am Strand?” Der Kapitän war stinksauer und schrie seine Leute laut an. Die beeilten sich nun auch schnell auf die Beine zu kommen. Denn eins wussten sie, wenn der Kapitän Bunsen mal sauer war, dann konnte das ziemlich lange dauern bis er wieder gute Laune hatte.  

Alle Mann packten an und schon bald waren die Vorräte auf dem Schiff verstaut und die Kisten mit den selten Pflanzen, Tieren und Eiern tief im Bauch des großen Segelschiffes eingelagert. Auch die Dodo-Eier und ein ganzer Sack voll kugelrunder Eier der Riesen-Schildkröten hatte der Kapitän einpacken lassen. Die Dodo-Vögel aber hatten sie schon seit Tagen nicht mehr gesehen. Obwohl diese Vögel am Tag ihrer Ankunft so zutraulich auf sie zugelaufen kamen und laut “dodododo” riefen, waren sie nach wenigen Tagen urplötzlich verschwunden und keiner der Seemänner hatte sie wiedergesehen. Ihre Nester hatten sie auch verlassen. Kapitän Bunsen hatte deswegen nur ganz wenig Gewissensbisse, weil er streng genommen ja die Eier aus dem Nest geklaut hatte. Aber da die Vögel ja sowieso nicht zurückkamen, wären sie vermutlich irgendwelchen Eierdieben wie kleinen Echsen oder Schlangen zum Opfer gefallen. Da war es doch besser, dass er sie in sein Schiff hat bringen lassen. Zuhause würde man sicherlich mehr über diese Eierschalen erfahren wollen, die so robust waren, dass selbst ein dicker Kapitän wie Hubertus Bunsen auf sie fallen konnte, ohne dass sie zerbrachen.  

Der Tag der Abfahrt war gekommen. Der Kapitän ließ die Segel setzen und steuerte in Richtung Norden. Zurück in die Heimat aber die Winde wehten schlecht für die Rückreise und ein großer Sturm kam auf. Alle Seeleute mussten Stunden, ja fast sogar Tage lang mit den Stürmen kämpfen und konnten ihr Schiff nur mit viel Mühe über Wasser halten. Als es endlich aufhörte zu stürmen, hatte der Kapitän und seine Mannschaft die Orientierung verloren. Nur eines war allen klar, es war auf einmal sehr, sehr kalt geworden. 

Der Wind hatte ihr Schiff sehr weit südlich getrieben und so lagen sie nun nur noch wenige Kilometer von der Küste der Antarktis entfernt. Es war bitter kalt und einige Schiffsleute fingen schon an aus den vielen Dingen die sie von der Insel mitgenommen hatten sich warme Kleidung zu basteln. Einer der Männer nahm große Palmenblätter und wickelte sie um seine Beine und Arme. Aber all das half nichts. Es wurde immer kälter. 

Am dritten Tag ihrer Irrfahrt zum Südpol passierte das größte Unglück. Früh am Morgen, fast die komplette Mannschaft lag unter Deck in den Schlafräumen und wärmte sich unter ihren dicken Woll-Decken, setzte das Schiff auf. Es war festgefahren zwischen zwei Eisschollen.  

Sofort sprang der Kapitän aus seiner Kajüte. So nennt man die Schlafräume auf Schiffen.  

“Alle Männer an Deck!” rief er so laut wie er noch nie zuvor gebrüllt hatte. Die Männer beeilten sich und versuchten so schnell wie möglich das Deck des Schiffes zu erreichen. “Wo ist mein erster Offizier zum Donnlittchen!” Der Kapitän war rasend vor Wut und Jörg von der Au beeilte sich, wie er sich nocht zuvor beeilt hatte, zu ihm zu kommen.  

“Kapitän Bunsen, zur Stelle Kapitän Bunsen! So wie ich die Sache sehe sind wir zwischen zwei Eisschollen eingeklemmt!”. Jörg von der Au bekam fast keine Luft so schnell hatte er dem Kapitän von der Lage des Schiffes berichtet. Der Kapitän rannte nun zur linken Seite des Schiffes und schaute über die Reling hinunter auf das Eis. Dann rannte er auch an die eine und andere Spitze des Schiffes und schließlich noch zur rechten Seite. Überall war nun Eis. Und so wie er die Sache sah, konnte er bis zum Horizont nur Eis sehen. Sie waren gefangen im Eis.  

“Alle Mann unter Deck!”. Der Kapitän meinte das wohl völlig ernst. Gerade eben hatte er noch alle Männer hoch aufs Deck gescheucht und nun sollten sie alle wieder runter? “Wird’s bald?!”. Das ließen sich die Männer nicht zweimal sagen und flitzten wie geölte Blitze die Leitern wieder runter in den Bauch des Schiffes. Als alle wieder auf ihren Kojen saßen und sich die Decken umschlugen, stellte sich der Kapitän vor ihnen auf. Sein erster Offizier, Jörg von der Au, blieb neben ihm stehen und wartete gespannt, was sein Chef nun sagen würde. 

“Männer, die Lage ist ernst aber nicht ausweglos!”. Das beruhigte die Männer etwas. Wenn der Kapitän da noch einen Weg sah, wie sie aus der kalten Gegend verschwinden könnten, dann würde das auch klappen. Der Kapitän war ein Teufelskerl und er hatte immer die besten Ideen. 

“Also passt auf! Wir müssen uns leichter machen. Also genau genommen unser Schiff. Alles was wir nicht essen und trinken muss über Bord gehen und auch beim Trinkwasser müssen wir die Hälfte ausschütten, damit das Schiff leichter wird”. Oha! Das hatte mit Arbeit zu tun aber wer arbeitet der kommt auch ins Schwitzen und das konnte ja nicht schaden, wenn man hier in der eiskalten Gegend sich aufwärmen konnte.  

Aber der Kapitän ließ die Männer nicht lange vor sich stehen und trieb sie wieder mächtig zur Eile an. Alle packten an und schleppten alles, was sie tagelang von der Insel ins Schiff geschafft hatten und wieder raus. Es tat dem Kapitän in der Seele weh aber auch die Kisten mit den Eiern der Vögel und Schildkröten wurde aufs Eis getragen. Dort stand die Kiste nun, zusammen mit seltenen Pflanzen, den großen schläfrig machenden Blüten und ganz vielen anderen Dingen von der Insel. Aber der Kapitän hatte Recht! Das Schiff wurde dadurch viel, viel leichter. Das Eis rund um das Schiff knackte und das mächtige Segelschiff lag nun etwas zur Seite geneigt auf dem Eis.  

“Männer, jetzt bauen wir uns Kufen aus der obersten Reihe der Reling – Los geht’s!”. Die Männer sägten und schraubten eifrig die Bretter der Reling und bauten daraus Kufen, so ähnlich wie sie an großen Schlitten zu finden waren. Die schraubten sie dann ans Schiff und mit vereinten Kräften richteten sie das Schiff dann wieder gerade. Nun hatte das Schiff in der Mitte eine große Kufe – was man unter Seeleuten auch den Kiel nennt – und zwei große Kufen links und rechts. Nach nur einem Tag war alles fertig und Kapitän Bunsen gab seinen Seeleuten den Befehl “Hisst die Segel! Und holt den Anker ein!”. Die Seemänner gehorchten und führten die Befehle aus. Und natürlich muss man auch etwas Glück im Leben haben und diese Schiffsmannschaft hatte Glück. Ein Wind kam auf. Ein starker Wind und der blies gehörig in die Segel. Und als würde das Schiff noch im Wasser liegen, bewegte es sich plötzlich und trieb über das Eis. Kapitän Bunsen schaute noch einmal wehmütig zurück zu den vielen Schätzen die sie von der Insel zurücklassen mussten. Alles stand dort fein säuberlich aufgebaut und drum herum hatten sie noch ein altes, etwas zerfetztes Segeltuch gespannt. Warum sie das getan haben wussten sie selber nicht. Aber vielleicht hofften sie ja, dass sie schon bald zurückkommen könnten, um ihren Schatz wieder abzuholen. Aber daraus wurde nichts. Das Schiff fuhr zwei volle Tage über das Eis bis es endlich wieder in wärmere Gegenden kam und das Eis unter ihnen wieder zu Wasser wurde. Nun war ihr Schiff kein Schlitten mehr und sie konnten wieder Kurs auf ihre Heimat setzen. Doch die Entdeckung der Insel und ihrer merkwürdigen, tierischen Bewohner blieb vorerst nur eine spannende Geschichte, die der Kapitän jedem erzählte, der sie hören wollte. Vor allem aber erzählte er sie seinen Kindern und die erzählten es ihren Kindern und so überlebte die Geschichte bis zum heutigen Tag. Die Dinge aber die Kapitän Bunsen im ewigen Eis zurücklassen musste, wurden zugeschneit und lagen schon bald unter einer dicken Eisschicht begraben. Darunter auch die drei Dodo-Eier, worin auch Schmörk für viele, viele Jahre überwintern sollte, bis er endlich 150 Jahre nach diesem Abenteuer vom Ur-Ur-Ur-Ur-Enkel des Kapitän Bunsen gefunden werden sollte.     

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