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Der Tag der Tage

Der Tag der Tage

Geschrieben in der Nacht nach der Geburt meiner Tochter…

Es hat angefangen. Ab hier nun als Papa, ohne Erfahrung, ohne zu wissen was kommt – nur mit bedingungsloser Liebe zu diesem kleinen Knopf!

27.04.2013 – 0:48 Uhr
“Schatz, Schaaaatz – Mann wach auf!!!” Ich wache auf.
“Meine Schlafanzughose ist ganz nass und im Urin waren weiße Flocken” – Aha, ok vielleicht Fruchtwasser abgegangen aber für ‘nen Blasensprung doch noch nicht genug oder?
Sie weiß es nicht, ich weiß es nicht – Wir einigen uns auf Anruf in der Klinik um 8 Uhr in der Früh, bis dahin abwarten. Ich schlafe wieder ein…

27.04.2013 – 6:30 Uhr
“Guten Morgen!” Ich wache auf.
“Du bist echt noch mal eingeschlafen?” Ja, was soll ich denn machen, ich war ja auch müde!
“Dann bis du ja jetzt ausgeschlafen und kannst wach bleiben” Ok… Ist nochmal was nachgekommen?
“Nein” Sollen wir jetzt schon anrufen?”Nein” Sollen wir warten?
“Weiß nicht” Aha… ok… – Wir warten…
“…Ist gleich 8″ Jepp, dann rufen wir an
“…die Hebamme sagte, wir sollen um 10 da sein” Ok, dann machen wir uns mal frisch…

Gemütlich, ganz gemütlich ohne auch nur den geringsten Verdacht auf einen echten Blasensprung machen wir uns frisch und fahren schließlich in die Klinik. Wir fahren auf das Kinik-Gelände (Gott Uni Mainz, könnt ihr nicht mal einen Dauerparktarif für werdende Väter einrichten??? Von dem, was ich da letztendlich in die Kasse geschmissen hatte, wäre die Kleine vermutlich drei Jahre in Harvard gut versorgt gewesen!)

Hebamme:”die Hose ist ja auch nass!”
Frau:”Ja, is gerade beim Treppen steigen passiert”
Hebamme:”Ja, Glückwunsch, sie haben gerade eingecheckt, das ist ein waschechter Blasensprung, kommen ‘se mit, hinten ist das Wehenzimmer…”

Das Wehenzimmer hat den Charme einer Abstellkammer und symbolisiert wohl so eine Art Vorhof zur… na egal. Es kommen keine Wehen. Es ist 12 Uhr und der Muttermund ist besser verschlossen als Fort Knox…

27.04.2013 – 13 Uhr
“Ich gebe ihnen jetzt mal ein Mittel um die Wehen einzuleiten”

27.04.2013 – 13:20 Uhr
“Oh, jetzt zieht es unten etwas

Es beginnt. Immer mehr und immer heftiger. Weitere Wehenmittel braucht es gar nicht mehr. Wie ein Uhrwerk läuft alles ab. Die Wehen kommen regelmäßig.

27.04.2013 – 18:30 Uhr
“Du musst mit MIR atmen, nicht ich mit DIR!!!” – Verstehe…
“Du atmetst viel zu langsam!” – Nein du atme…
“HALT DEN MUND!!!” – Ok…

Sie wird verlegt. Das Wehenzimmer sieht uns so schnell nicht mehr. Jetzt geht es in den Kreißsaal. Viel angenehmer! Besser, wärmer, schöner und mit tollem Spielzeug und die Hebammen sind verdammt cool! Gefällt mir – Ihr ist das egal – Die nächste Wehe kommt.

27.04.2013 – 19:30 Uhr
“Da ist kein Muttermund mehr, komplett aufgelöst…” Die Hebammenschülerin ist sich sicher und wird bestätigt von der erfahrenen Hebamme.
“Stimmt! – Kein Muttermund mehr – das kommt auch sehr selten vor…”
“Das Kind kommt heute noch!” Egal, die nächste Wehe kommt…

Die Kleine ist ein Sternengucker, soll heißen sie schaut zum Himmel, wenn sie rauskommt. Nicht gut, sollte sich besser drehen. Meine Frau muss mitten in den heftigsten Wehen in den Vierfüßlerstand. Ohne Schmerzmittel, ohne diese vielgerühmte PDA (war keine Zeit mehr). Sie erlebt das alles volle Lotte. Sie ist mein Held, sie zeigt mir deutlich, wär hier die Hosen an hat und wo dieser Bartel den Most holt. Sie ist der Hammer!

Alle läuft wie ein Uhrwerk. Die Wehen kommen in immer kürzeren Abständen. Das Kind hat sich leider nicht gedreht. Alles für die Katz, Wehen, Schmerzen, Vierfüßlerscheiße. Ich gebe ihr die Sauerstoffmaske und reibe ihren Kopf mit einem kühlen, nassen Handtuch. Kann nur danebenstehen, sonst nix tun. Ich hatte das vorher gelesen und fand das schon da scheiße, jetzt finde ich das so richtig zum kotzen! Sie erträgt das alles großartig!

27.04.2013 – 23:06 Uhr
“Presse! und den Kopf nach vorne!!!”
“Geht nicht!”
“Doch, muss gehen – PRESSEN!!!” – Urschreie, von denen meine Frau heute noch behauptet, so etwas hätte sie noch nie gekonnt…

27.04.2013 – 23:10 Uhr
“Noch einmal feste pressen – JETZT – NOCH MEHR!”
Ich sehe den Kopf, er drückt sich langsam raus. Die Ärztin muss einen Dammschnitt machen. Der Kopf kommt jetzt etwas schneller, ich sehe die Stirn, schaue zum Puls, er wird langsamer, schaue zum Kopf, zu meiner Frau – Sie presst weiter. Bitzschnell zieht die Hebamme am Kopf und zieht das gesamt Kind heraus. Jetzt kann man es sehen, die Nabelschnur liegt zweimal um den Hals gewickelt fest am Kopf. Der Kopf ist blau, ich schaue zum Puls, auf die Uhr und sehe wie die Hebamme blitzschnell die Nabelschnur zerschneidet. Erst einmal, dann noch einmal. Die Schnur löst sich, der Kopf entspannt sich, die kleinen Äuglein pressen nicht mehr so stark und da kommt er.

Der erste kleine zaghafte Schrei. Sie ist da, sie atmet und die fünf Frauen im Kreißsaal. Meine Frau, die Hebamme, ihre Schülerin und diese sagenhafte coole Ärztin sind meine Helden aber vor allem meine tapfere Tochter rührt mich zutiefst. Sie sind alle zusammen einfach nur der Hammer!

Herzlich willkommen kleine Lilli!

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