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Das war Woche ZWÖLF

Das war Woche ZWÖLF

Es ist völlig egal, wie du vor der Geburt deines Kindes getickt hast. Ob du ein Nachtschwärmer warst oder eine Couchpotatoe, ob sich im Leben alles um dich drehte oder ob du aufopferungsvoll im Dienste der Gesellschaft gestanden hattest. Mit der Geburt deines Kindes verändert sich deine Sicht der Dinge grundlegend und du wirst eine sehr lange Zeit den Fokus deines Schaffens nur auf dieses kleine Wesen lenken.

Wenn du dann so wie ich, auch noch die ersten Monate in Elternzeit verbringst, wird dieses Gefühl noch intensiver sein. Und auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Ich kann jedem Vater nur empfehlen, die ersten Monate Zuhause zu verbringen. Es ist einfach ein riesengroßes Konzert für alle Sinne. Viel davon wird sehr piano gespielt und man muss schon genau zuhören aber dann kommt mit einem Paukenschlag und ohne große Vorwarnung ein so laut glucksendes Lachen aus dem kleinen Zwerg und die Kleine strahlt dich über ihr ganzes Gesicht an und du weißt in diesem Augenblick (und für ein paar weitere Jahre) endlich wo das Zentrum des Universums liegt.

Es sind diese Momente, die mir früher nie gefehlt hatten aber von denen ich heute behaupten kann, dass sie mein Leben deutlich stärker vervollständigen als aller materieller Mist, den ich mir seinerzeit tatsächlich gewünscht hatte…

So und nun gebe ich wieder mit den Dingen an, die ich diese Woche gelernt habe!

#01: Taufvorbereitung – Frooonck-Check
#02: Smartphone-Suchti – Erkenntnis-Check
#03: Hochsommer – CooldownCheck
#04: Osteopathie-Kinderdoc-Besprecher – Ichwillaber-Check
#05: Elternzeit-Ende-Realisator – Kannmannixmachen-Check

Die Taufe. Diese Ich-begieße-dich-mit-Wasser-bist-du-schreist-und-die-Anwesenden-ooooh-rufen-Aktion steht an. Früher war das eine (h)eilige Sache, schließlich hat man mit der Taufe von jeher das Ticket für endlose Glückseligkeit gezogen. Heute (und nach diversen vatikanischen Konzilen, bzw. drei verbrauchten Neuzeit-Päpsten) kann man sich damit endlich etwas mehr Zeit lassen. Einige lassen sich damit ja Zeit bis der Nachwuchs selbst entscheidet aus der Kirche auszutreten (ätsch, geht gar nicht, ohne Taufe biste noch nicht mal drin!) andere wählen schon in der Klinik das Raus-und-Tauf-Angebot (sehr beliebt in Krankenhäusern mit katholischem Träger).

Wir hatten uns für die gediegene Variante entschieden. Soll heißen, erst mal den (geilen) Sommer verstreichen lassen und das Kind auf eine Körpergröße bringen, die es ihm unmöglich macht im Taufbecken abzusaufen. So und wenn man dann also taufen lassen will, meldet man sich bei seiner Gemeinde und wenn der dortige Mitarbeiter (Pfarrer, Diakon, Gemeindereferent) gaaanz viel Glück hat, klingelt er nicht an einem der wärmsten Tage des Jahres an meiner Haustür. Der arme Kerl!

Nein, ganz so schlimm war es nicht. Es war eher der viert- oder fünft-heißeste Tag des Jahres aber ich war in Hochform. Meine Religionslehrer (und ich hatte einige) können davon ein Lied singen und auch die arme Frau die mich zur Firmung begleitet hatte, wäre vermutlich auf traurige Art stolz auf mich gewesen. Taufe ist heute wie damals ein Event. Kirchenpolitisch betrachtet so eine Art Beitrittserklärung zum Verein aber Familientechnisch betrachtet, eine höchstdiplomatische Angelegenheit. Stichwort Taufpaten. Meine Tochter hatte noch keinen irdischen Boden berührt, da kam in meiner Familie schon die Frage nach der Taufpatenschaft auf. Der erste Namensgebungs-Schock (der Vorname besteht nur aus dem Vornamen meiner Tochter und sonst keinem einzigen) hatten sie gerade verdaut, als aber auch nach 10 Wochen noch keine Mitteilung über unsere Taufpaten-Entscheidung vorlag, wurde mein Clan langsam ungeduldig.

Das Problem ist gelöst und neben der Wunsch-Godie macht jetzt auch meine Schwester den Job. Taufe ist Diplomatie, Taufe ist Bekenntnis und Taufe kann irre kompliziert sein! Macht den Termin frühzeitig fest, lasst euch Zeit und vor allem geht das bewusst an. Und vergesst nie: Diese Initiation ist alles andere als nur himmlisch. Handfest irdisch ist die ganze Nummer (ich hätte gerne mal gewusst ob Jesus das Formular für die Taufe bei Johannes auch unterschrieben hat oder ob das sein Papa und seine Mama für ihn gemacht hatten…Kopf-Tisch-Kopf-Tisch).

Weiter im Text! Hallo, ich bin Markus und ich bin ein Smartphone-Suchti. So oder so ähnlich müsste ich mich eigentlich in einer Selbsthilfegruppe für Väter in Elternzeit mit starker Affinität zu mobilen Datenaustauschendgeräten vorstellen. Wenn es nach meiner Frau ginge. Meine bessere Hälfte kotzt das nämlich an. Permanent habe ich das Ding im Anschlag. Zeitweise beschränkt sich unsere Konversation auf die Farbe des Stuhls unserer Tochter und die erbrachte Tagesmilchmenge. Ich bin dann für zwei Sekunden aufmerksam und schliesslich wieder in den Weiten von Twitter und Facebook unterwegs. Ich poste Bilder von Babyspielzeug, meine Spaziergangerlebnisse, Blogartikel oder meine Meinung zur digitalen Kultur und Netzpolitik. Man könnte meinen, ich wäre zeitweise gar nicht wirklich Zuhause.

Ich weiß nicht, wie das anderen Vätern geht aber ich schaffe es nicht 24 Stunden lang alles andere komplett auszublenden. Ich würde behaupten, dass ich schon überdurchschnittlich lange meine Kleine anschaue und ich würde auch behaupten, dass ich mich überdurchschnittlich intensiv für die erbrachten Milchmengen meiner Frau interessiere aber ich will ehrlich sein: Ich möchte auch Teil des öffentlichen Lebens sein/bleiben und wenigstens mit dem Echtzeitscan meiner Daten seitens der NSA mithalten können.

Ich will weitaus mehr als nur funktionieren. Wenn ich mal kurz meine Dauerwerbekampagne für mehr Kinder auf dieser Welt unterbrechen darf (nein, ich werde nicht vom Familienministerium finanziell unterstützt), es ist ein sehr verantwortungsvoller Job. 24/7. Alles andere wäre gelogen. Elternzeit bedeutet einen zeitlich begrenzten Jobwechsel und die Tatsache, dass man alles andere nur mit halbem Herzen verfolgen kann. Natürlich hätte ich das auch wie mein Vater und viele Väter der vorangegangenen Generation machen können. Die durchschnittliche Netto-Beschäftigungszeit meines Vaters mit mir in den ersten Lebensjahren belief sich auf ca. zwei Stunden pro Tag. Den Rest verbrachte meine Mutter, der Kinderarzt und meine Kindergärtnerin mit mir. Als Vater eine einfache Sache. Gewickelt hat er mich übrigens nie und gefüttert so weit ich weiß auch nicht.

Also ja, ich habe das Handy im Anschlag, wann immer sich die Gelegenheit bietet, schiele ich drauf, poste einen Spruch, ein Bild, kommentiere oder mache sonst irgendwas und ja, das ist definitiv zu viel. Aber ich bin – und das wird hier im Laufe des Textes noch häufiger erwähnt werden – unglaublich gerne in Elternzeit und an dieser Stelle möchte ich mich öffentlich bei meiner Frau für meine übermäßiges Smartphonegetippse entschuldigen. Ich glaube aber auch, dass jeder Vater in Elternzeit solch ein Ventil braucht. Aber wie alles im Leben, mit Maß und Ziel. Da bin ich definitiv übers besagte hinausgeschossen. Nun denn, Scheiße passiert – wie Forest schon sagte…

Hier bekomme ich tatsächlich mal eine Überleitung hin! Während erwachsene Väter auf Handydisplays starren, schauen sie auch häufiger mal, wie das Wetter wird und auch ich schaute in den letzten Tagen häufig auf die Wetter-App. Dieser faszinierende Vorsommer Ende Juni hat jetzt seinen Meister im Juli gefunden! Und wir junge Eltern fragen uns, mit welchen Mitteln wir jetzt noch die Wände kühlen können. Zwölf Wochen alte Säuglinge bei 30 Grad Celsius hüten macht die Sache extrem spannend. Nachts lüften – har har – gute Idee! Aber der Zug ist äußerst beschissen fürs Kind. Also verdunkeln und lüften wann immer es die Situation zulässt.

Gott sei Dank schiebt sich nach 12 Wochen aber nicht mehr die große Panik in die Hütte. Wir sehen ja auch, dass die Kleine nachts ganz gut mit der Wärme umgehen kann und ich empfehle hier cool zu bleiben! Ganz ausziehen kann unter Umständen echt kontraproduktiv sein. Die kleinen Hosenscheißer haben nämlich noch kein gutes Temperatur-Management und verlieren die Wärme recht schnell. Bei dieser Hitze geht es hauptsächlich um die Tageszeiträume. Die Nächte stecken sie meistens locker weg.

Na war das souverän? Klang doch schon als hätte ich eine ganze Großfamilie durchgefüttert (so ähnlich ging es übrigens dem Diakon…) und das gehört echt zu meinen Grundbegabungen. Ich laber für mein Leben gern! Mit etwas weniger angeborener Naivität hätte aus mir noch ein echter Politiker werden können aber na ja – anderes Thema. Diese Woche hat sich mein Talent mal wieder ausgezahlt. Es ging um die Osteopathie. Jene umstrittene Lehre vom Verspanntsein und Entspanntwerden, die bei Schuldmedizinern (insbesondere Kinderärzten) so ein seltsames abschätziges Grinsen in die Mundwinkel meißelt.
Kurz zu meiner Meinung: Es kann nicht schaden, warum also verteufeln. Und auch wenn dieser SPD-Politiker (der ausschaut wie die Puppe in den Muppet-Show die immer Mimimimi sagt) seit Jahren gegen die Homöopathie wettert, würde ich ungern der Schulmedizin uneingeschränkt das Feld überlassen wollen.

Bei meiner Tochter scheint dieser osteopathische Ansatz zu funktionieren. Ich kann mir das ja auch nicht ganz erklären aber das ist auch nicht mein Job. Um so weniger Verständnis habe ich dafür, dass ich bei meinem Kinderarzt eine Schreiben ausgestellt bekomme, welches arroganter nicht formuliert sein könnte. Himmel was haben die für ein Problem? Es geht um die Kostenübernahme für sechs Stunden, die von der Krankenkasse gezahlt werden, wenn der Doc sein ok gibt. Ich musste nicht betteln, aber dieses “Empfehlungsschreiben” ist ein Witz und ich hoffe, dass die Kasse das auch so sieht!

So! Fast Ende. Ja, genau! Noch eine Woche, dann ist Schluss mit Elternzeit. Zurück in den Job und wieder Gas geben. Ja, ich bin dann wieder Teil dieser Content-Community. Ich mache dann wieder Inhalte, diskussionsfähige Inhalte, bin am Weltgeschehen mehr oder wenig (eher weniger) beteiligt und mindestens zehn Stunden am Tag nicht zuhause. Rechnet man die Schlafzeit meiner Tochter dazu, komme ich auch noch auf zwei Nettostunden. Wie einst mein Vater. Das ist traurig, unabdingbar und einfach blöd! Ich will hier noch keine Bilanz ziehen. Das werde ich vermutlich nächste Woche oder übernächste Woche machen aber ich kann schon jetzt sagen, dass ich diese intime, sehr enge und unglaublich intensive Zeit mit meiner Frau und meiner Tochter schon vermissen werde. Auch wenn ich hier der große Smartphoneumklammerer war, so habe ich doch auch sehr viel mit den beiden gemacht und viel Zeit mit ihnen verbracht.

Es wird so sein, wie damals, als man aus dem Schullandheim zurückkehrte oder die Zeit nach einer Exkursion. Nicht wie nach einem Urlaub. Es wird intensiver sein und habe ich schon erwähnt, dass ihr das auch machen solltet?! ;)– Gönnt euch diese Zeit, schaut eurem kleinen Knopf zu, wie er wächst, wie er in ganz kleinen Schritten jeden Tag etwas dazu lernt und sollte euer Arbeitgeber noch nicht kapiert haben, dass er auch für euer Anstellungsverhältnis ein solches Privileg einräumen soll/muss, dann kämpft dafür. Macht den Sesselpupsern in den Gewerkschaften gehörig Druck und jedem Vorgesetzten der glaubt, sein männlicher Mitarbeiter habe kein Interesse an Karriere sei hier und jetzt eines gesagt. Dieser Mitarbeiter kommt nach zwei Monaten zurück an seinen Arbeitsplatz und er wird Nerven aus Stahl haben, er wird kontrolliert im Chaos den Überblick bewahren und er wird sehr strukturiert ans Werk gehen.

Alter, das war ein Bootcamp und ich kann jetzt Babymassage!

Haut rein! Bis nächste Woche…

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