Stelzenhaus erbaut 2020 Papa wird's schon richten! Bau es einfach selbst! Hier findest du meine Projekte Erzähle von großen Abenteuern! Gute Nacht Geschichten Vorlesegeschichten Mein Leben als Papa BLoG & VLOG Zum BLog

Das war Woche ZEHN

Das war Woche ZEHN

Herrschaften, wir sind zweistellig! Da ist sie geknackt die Zehn und damit liegen 70 wundervolle Tage hinter uns! Noch euphorischer werde ich wohl erst bei der legendären 100-Tage-Vater-Notiz sein, die ich dann in 30 Tagen an dieser Stelle verfassen werde. Aber bis dahin ist ja auch noch etwas hin und wenn ich ehrlich bin, wir können auch schon auf die jetzt frisch vergangenen zehn Wochen mehr als stolz sein!

Ich ganz persönlich habe noch einen ganz anderen Meilenstein in mein Köfferchen gepackt. Mir ist in den letzten Tagen jener denkwürdige Moment passiert, von dem ich schon so häufig von vielen anderen Eltern und vor allem Vätern gehört hatte. Dieser Moment, wenn du dich fragst, wie es eigentlich damals ohne diesen kleinen Knopf im Leben war. Es ist, als hätte mir jemand meine Vita komplett umgeschrieben. Ich kann mich einfach nicht mehr so recht daran erinnern. Ich weiß, dass ich damals im Schnitt etwa zwei Stunden länger am Stück geschlafen hatte (und ich weiß wie neidisch die anderen Frischväter jetzt auf diese Zeilen glotzen, wenn ich sage, dass es früher acht Stunden am Stück waren…), aber viel mehr gibt es da nicht. Es war etwas leiser, etwas intimer aber auch etwas leerer und jetzt ist es so, wie es sein soll.

Ja gibt es denn bei diesem WordPress überhaupt kein Sentimental-Gedöhns-Brems-Widget? Ich habe schließlich noch wichtigeres zu berichten und das hier ist ja auch ein Papa-Blog und kein Mimosenblog. Wer will denn da schon was von meiner Gefühlswelt lesen! Hier geht es um knallharte Fakten, um Erfolge, Lernerfolge, Wissensvorsprung und knallharte Alltagsbewältigung. Hosen runter! Hier ist die Erfolgsliste meiner zehnten Woche der Vaterschaft:

  • #01: Kneipengespräche im Wandel der Zeit – Intercom-Check
  • #02: Babyclubber – Login-Check
  • #03: Kinderwagen-Friedensmission – Dauerlächel-Check
  • #04: Vateralltagsbewältigungsfortlaufender Mega-Check
  • #05: Babymasseur – Knetundwalg-Check

Kommen wir zu einem ernsten und halbtraurigen Thema zugleich: Kneipengespräche sind nicht mehr das, was sie einmal waren! Ja, Freunde der leichten Feierabendunterhaltung! Nu is Essig mit dem seichten Stamperlgeplänkel. Ich musste es neulich am eigenen Leib erfahren, wie stark doch aus einer trivialen Feierabend-Disziplin ein echter Hochleistungssport wird. Statt der üblichen Themen (meine Frau liest hier mit und ich habe einen letzten feierlichen Eid den Männern dieser Welt geschworen, dass ich hier nicht pussymässig von den Themen berichte, die Männer in dunklen Kneipen am meisten beschäftigt! Aber ihr Frauen dieser Welt: Geht einfach davon aus, dass wir uns nicht mit der Heissenbergschen Unschärferelation befassen – das muss genügen – ehrlich!)


Na jedenfalls statt der üblichen Themen, haben wir uns jetzt über die Einschlafprobleme unserer Kinder unterhalten. Ich hatte natürlich keine Einschlafproblem mit meinem Kind (…war ja schon mal ein Minuspunkt) aber da ich ja auch noch dieses vermaledeite Pädagogik-Studium welches ich irgendwann mal im Nebenfach angefangen hatte (und tatsächlich auch abgeschlossen habe!!!), wurde der klugscheißende Teil meines Egos (ziemlich groß) immer wieder stimuliert, seinen Senf zu allem zu geben.

Und hier ist der große Unterschied zu den Themen, die uns Männer früher bewegt hatten. Da durfte man seinen Senf hinzugeben. Man durfte wirklich jeden Dumpfsinn von sich geben. War genug Bier aufm Tisch haben alle rund um einen herum wichtigtuend genickt und schließlich Prost gerufen und jetzt: Großes Kritisch-in-die-Runde-Gucken, gefolgt von den Lass-dein-Kind-mal-in-das-Alter-kommen-Blicken. Das komplette Kneipen-Kontinuum ist umgekippt wie alte Fischsuppe! Früher war labern so leicht! Und heute ist es nur noch ein einziges kritisches Geplänkel. Man kommt sich vor, als säße man bei Jauch am Sonntagabend und hätte rings um sich herum die Opposition sitzen.

Was ist denn da los? Ich werde dafür kämpfen, dass wir in Zukunft wieder zu den leichten, luftdurchlässigen Themen zurückfinden. Uns über Tellerfüllungen der bestellten Speisen ein Urteil erlauben und maximal noch im Bereich der (weiblichen) Mode rings um uns herum Kritik üben.
Wenn wir schon nur noch alle drei Monate für ein paar Stunden diesen Teil unserer Vergangenheit mit der Herz-Lungen-Maschine reanmieren dürfen, dann möchte ich das so flache wie möglich halten.
Um das zu erreichen muss ich aber auch selbst endlich mal anfangen die Fre*** zu halten… ;)

so gesehen also nur ein halber Checkpunkt…

Ich gebe das hier und heute übrigens mit den Überleitungen auf. Der nächste Punkt ist vom Kneipenabend ungefähr so weit entfert, wie wir vom Planeten Pluto: Babyclubs

Vielleicht ist das für den einen oder anderen werdenden Vater nun eine wichtige Information oder auch gänzlich unbekannt: Aber Kinder fangen früh an Geld zu kosten. In Deutschland hat man das früh erkannt und deswegen gibt man den Eltern auch aus vollem Füllhorn Mittel, damit die kleinen Hosenscheißer gut gebildet und voller Elan in ihre Zukunft starten können. Gut, das war jetzt teilweise die nicht ganz korrekte Wahrheit aber eine Zukunft hat jedes Kind in diesem Land. Und für den Rest gibt es Babyclubs von allen Drogerien, Windelherstellern und natürlich von den Babykost-Produzenten. Nahezu jedes dieser Unternehmen hat nebenbei eine Facebook-Dependance, mehrere Krisenmanagement-Twitter-Accounts und eine Hotline, und natürlich den unübersehbaren Baby-Club.

Ich habe jahrelang jedes Data-Mining vermieden. Auf die Frage ob ich Punkte sammle, antwortete ich in den 90ern noch gerne mit Flensburg. und ab 2000 habe ich an den Discounter-Kassen dieses Landes meine Herkunft mit Postleitzahlen belegt, die es vermutlich noch nicht mal in den neuen Bundesländern gab und gibt. Ich habe meine Daten für mich behalten und auf die paar Rabattpunkte von diesen Datensammlern mal ganz gepflegt geschi****!
Ich halte das auch nach wie vor für einen Witz aber seit vorvergangener Woche und dem ganzen NSA-Gedöhns und all den anderen Abhörunerhörlichkeiten ist mir das alles egal…

Ich habe mich fallen lassen, ich habe – vorbei an allen Zeichen der Zeit – meine Adressdaten, meine Kaufgewohnheiten und den Namen meines Kindes an dm, Rossmann, Pampers, Hipp und Co. verkauft! Ich und meine Frau. Ja, wir haben es getan und kommt schon! Wenn einer von euch immer noch glaubt, dass seine Daten ihm gehören, dann kann er jetzt mal getrost die letzte Rolle Alufolie kaufen gehen und sich mit so einem Wachauf-ich-bin-Pirat-Schild in die Fußgängerzone stellen und kleine abhörsichere Hütchen verschenken… – Die Nummer ist gelaufen. Streicht den Rabatt und die geilen Hautcreme-Proben ein. Nehmt mit, was sich mitnehmen lässt und pfeift auf den Privatsphären-Quark. Ich hol’ mir demnächst auch so ne Payback-Karte, Shell-Clubcarte und dann auch noch die von Esso und all den anderen Datensammelspinnern. Wenn ich dadurch bei den Windeln ‘ne Mark gut machen kann, wird das gemacht!

Ja und weil ich jetzt so ein angepasstes Individuum bin, habe ich auch gleich mal feststellen können, wie positiv ein Mann wahrgenommen wird, der einen Kinderwagen schiebt. Ich war neulich total unrasiert, etwas kaputt und ja, vielleicht auch etwas ungewaschen. Ich sah aus, wie dieser Typ den Reinhard Mey in einem seiner frühen Songs besingt. Unter normalen Umständen hätte man mich vermutlich nicht gegrüßt. Schon gar nicht auf dem Lande, wo ich gerne mit meiner kleinen Tochter spazieren gehe.

Nein, in Deutschland grüßt man so etwas ungepflegtes nur an Weihnachten oder an Erntedank. An normalen Samstagen macht man um diese ruppigen Typen gerne einen Bogen. Es sein denn sie haben einen Kinderwagen und benutzen ihn!

Alte Frauen haben voller Ehrfucht ihren Kopf langsam gehoben und dann wieder gesenkt. Eine über 80-jährige staunte nicht schlecht und erzählte mir, dass ihr Mann so etwas früher niemals getan hätte. Sie musst den Kinderwagen schieben, egal was passiert wäre. Ist das nicht krass? Ich bin jetzt einer von diesen Typen, die einen Kinderwagen schieben und die voller Respekt von alten Frauen bestaunt werden. Ich gehöre trotz dieses ungepflegten Äußeren zu den guten Menschen. Ich überlege mir, mich demnächst rasiert und gewaschen mit Kinderwagen mal in Richtung Bank zu bewegen, danach werde ich mal über eine Politikerlaufbahn nachdenken und natürlich muss ich an Erntedank auch mal an der Kirche vorbeilaufen. Auf die La Ola freue ich mich jetzt schon…

In meiner neuen Rubrik “Vateralltagbewältigungsdingsbums” kann ich heute noch über zwei Dinge berichten, über die ich mir Gedanken gemacht habe und die ich hoffentlich bald tatsächlich beherrsche. Da wären zum einen diese verschissenen Druckknöpfe an Babyschlafsäcken. Ich werde mich jetzt nicht für das Wort verschissen entschuldigen! Diese Druckknöpfe könnten mich dazu bringen noch viel schlimmere Sachen hier zu schreiben! Das regt mich wirklich auf!

Wer kommt auf die Idee, an diesen Dinger Druckknöpfe zu nähen? Mein Kind hat ein paar Stunden gebraucht, bis es sich an die Tatsache gewöhnen konnte, dass es nun für ein paar Stunden “ausgeschaltet” wird. Es verbindet damit keine guten Gefühle, eher so etwas wie Nahtod-Erfahrung, Abschiedsschmerz. Einfach Schmerz in diversen Ausprägungen. Es ist sich genau so unsicher, wie ein 45-jähriger Buchhalter der sich vor seiner neuen Freundin produzieren will und kurz vor seinem ersten Bungee-Sprung steht…

Ich habe dieses Wesen so weit, dass es mir vertraut. Es schläft ein und es liegt in meinen Armen. Es ist noch kein heißer Sommer aber auch nicht mehr ganz kühl. Sie mit dem Schlafsack einzulullen ist also eher kontraproduktiv. Mir bleibt nichts anderes übrig als sie erst beim ablegen ins Bett mit dem Schlafsack zu versehen und dann – DANN KOMMT DIESER VERSCHISSENE DRUCKKNOPF!!!

Ich fummle mit meinen dicken Fummelfingern an diesen Knöpfen rum, ich habe das Licht schon gedämpft und sehe eh nur die Hälfte und ich ertaste Spuckefäden meiner Tochter. Ich rutsche am Druckknopf ab. Die Hand liegt auf der Matratze, mein Oberkörper verliert das Gleichgewicht, ich trudele und schwupp – Die Kleine ist wieder wach…

Druckknöpfe – ihr seid einfach nur doof!

Die zweite Sache ist ein Rätsel, bei dem mir vielleicht einer von euch helfen kann.

Warum bitteschön gibt es bei dem A-Shop im Internet Windeln für 6.000,- Euro (also eine Packung). Ist das als Scherz gedacht? Ist das ein Fehler? Reicht das schon für Occupy-Amazon? Mich regt so etwas auf und trotz Mail die ich denen geschickt habe, ist dieser Schwachsinn immer noch im Shop zu finden. Falls ihr jemanden bei Amazon kennt: Diese Vollpfosten-Nummer kann mal langsam getrost gelöscht werden…

So! Damit komme ich zum letzten Highlight der Woche: Ich kann jetzt Babymassage!
Meine Frau hat mich in dieser Woche ins kalte Wasser geschmissen und mal eben locker flockig alleine und zum ersten Mal überhaupt in die Babymassage gehen lassen. Natürlich kam ich zu spät, hatte den Cybex falsch herum auf dem Adapter installiert und war schweißgebadet in die Runde geplatzt. Nachdem sich in mir das Gefühl gelegt hatte, ich sei wieder in einem dieser Erfahrungsseminare vom bereits erwähnten Pädagogik-Studium (und müsste gleich den Niveaball fangen um anschließend meinen Namen laut in die Runde zu rufen), konnte ich mich sortiert mit meiner Tochter auf einer der Matten niederlassen und zur Ruhe kommen.

Es lief entspannende Klaviermusik und die Lehrerin/Hebamme sprach in einem ruhigen, entspannten Ton.
Das erste Kind schreit. Die Lehrerin fährt unbeirrt fort. Das zweite Kind fängt an zu schreien und ich denke noch (Shit, gleich fängt meine auch an, weil das soll doch ansteckend sein…).
Die Lehrerin teilt Öl aus. Das dritte Kind schreit.
Ich ziehe meine Tochter langsam aus, grinse mit ihr um die Wette und zähle schließlich das vierte schreiende Kind. Die ersten beiden Schreier werden schon Beruhigungsgefüttert und ich denke mir “Oh Mist, ich habe gar kein Beruhigungsfutter dabei (passiert mir auch nicht wieder!).
Dann lerne ich verschiedene Griffe und während ich sie ausführe frage ich mich, ob es nicht eigentlich “Babystreichelkurs” heißen muss, weil so richtig Massage – aber gut! Nicht kritisieren einfach laufen lassen. Ich bekomme das ganz gut hin. Nummer Fünf und Sechs fangen an zu schreien aber meine Kleine ist tapfer und lacht mit mir. Im Geheimen schenke ich ihr eine Milchflasche nach der anderen und kann nur hoffen, dass sie mein Angebot auch annimmt. Sie bleibt ruhig, grinst und erzählt irgendwann auch. Irgendwie scheint sie an den Massagetipps der Hebamme nur wenig Interesse zu haben, denn plötzlich erklärt sie der kompletten Gruppe ihre Version von guter Babymassage. Viele müssen amüsiert grinsen und die Massage-Lehrerin kann irgendwann auch nicht mehr – Sie gibt ihr ruhiges, mildes grinsen auf und lacht herzhaft mit meiner kleinen Tochter.

Zum Abschluss furzt meine Kleine nochmal so laut als gäbe es kein Morgen. Sie scheint Entertainer-Qualitäten zu besitzen. Ich mache mir über ihre berufliche Zukunft keine Sorgen mehr!

Und was mich betrifft: Ich kann jetzt Babymassage (zumindest in der Theorie)

Bis nächste Woche!

Your email address will not be published. Required fields are marked *